Glossar

A

Abgelenkte Bohrung

Bohrung, die nicht senkrecht nach unten geführt wird, sondern unterirdisch abgelenkt wird, um bei zwei Bohrungen (> Dublette) einen ausreichenden Abstand zwischen dem Punkt zu erreichen, wo das heiße Wasser entnommen wird und der Stelle, wo das abgekühlte Wasser wieder in den Untergrund gelangt.

Aquifer

Ein Gesteinskörper mit Hohlräumen, der zur Leitung von Grundwasser geeignet ist (auch Grundwasserleiter). Es werden drei Arten von Aquiferen unterschieden:
  • Porengrundwasserleiter - bestehend aus Locker- oder Festgestein, dessen Porenraum von Grundwasser durchflossen wird
  • Kluftgrundwasserleiter - bestehend aus Festgestein. Sie enthalten durchflusswirksame Klüfte und Gesteinsfugen
  • Karst-Grundwasserleiter - bestehend aus verkarsteten Karbonatgesteinen mit durchflusswirksamen Verkarstungen

Aufsuchungsfeld

Gebiet, für das eine bergrechtliche Erlaubnis zur Aufsuchung bergfreier Bodenschätze (Erdwärme, Sole) erteilt wurde. In Bayern werden Genehmigungen zur Erkundung und Nutzung tiefer Geothermie vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie erteilt.

B

Bergrecht

Rechtliche Bestimmungen, die Bodenschätze wie die Erdwärme und den Bergbau betreffen. Die zentrale Rechtsnorm in Deutschland ist das Bundesberggesetz.

D

Dublette

Die geothermische Dublette besteht aus der Förderbohrung zur Wasserentnahme und Injektionsbohrung zur Rückführung des abgekühlten Wassers.

E

Erdwärme

Die im zugänglichen Teil der Erdkruste gespeicherte Wärme. Sie umfasst die in der Erde gespeicherte Energie, soweit sie entzogen und genutzt werden kann und zählt zu den erneuerbaren Energien. Sie kann sowohl direkt genutzt werden, etwa zum Heizen und Kühlen, als auch zur Erzeugung von elektrischem Strom oder in einer Kraft-Wärme-Kopplung.

Exploration

Tätigkeiten, die mit der Erschließung von Lagerstätten und Rohstoffvorkommen in der Erdkruste zusammenhängen. Die wichtigste Methode zur Exploration geothermischer Lagerstätten in Deutschland ist die seismische Exploration (>Seismik). Sie beschreibt die Erkundung, Erforschung des Untergrunds mittels Schallwellen. Je nach Geometrie der Messung wird zwischen 3D- und 2D-Seismik unterschieden, nach der Art der Quelle zwischen Spreng-Seismik und Vibratorseismik.

F

Förderbohrung

Die Bohrung, die zur Förderung des heißen Wassers aus der Lagerstätte genutzt wird.

Förderrate

Auch Fördermenge. Die Menge an heißem Thermalwasser, die pro Zeiteinheit an die Oberfläche gefördert wird. Die Förderrate kann bis über 100 Liter pro Sekunde liegen, liegt aber in der Regel eher bei 40 bis 70 Litern.

G

Geothermie

> Erdwärme
Man unterscheidet zwischen oberflächennaher Geothermie und tiefer Geothermie. Von oberflächennaher Geothermie spricht man, wenn die in bis zu etwa 150 Metern vorhandene Erdwärme genutzt wird. Die Nutzung erfolgt mittels Erdwärmekollektoren, Erdwärmesonden, Grundwasserbohrungen oder Erdpfählen.

In der tiefen Geothermie wird die geothermische Energie über aufwändige Tiefbohrungen erschlossen. Von tiefer Geothermie spricht man in der Regel erst, wenn Tiefen von über 1000 Meter  erreicht werden.

H

Hydrothermale Geothermie

Ein Teilbereich der tiefen Geothermie, bei dem im Untergrund vorhandene warme oder heiße Thermalwasservorkommen zur Energiegewinnung genutzt werden.

I

Injektionsbohrung

Die Bohrung, über die das nach der Energiegewinnung abgekühlte Wasser wieder in den Untergrund verpresst wird.

M

Malm

Älterer Begriff für eine spezielle geologische Schicht, die heute „Obererjura“ oder „Weißer Jura“ genannt wird. Er entspricht in der geochronologischen Gliederung dem Zeitraum von etwa 161,2 bis 145,5 Millionen Jahren. Der Malm ist das Erschließungsziel fast aller Geothermiebohrungen im > süddeutschen Molassebecken.

Molassebecken

Der Begriff bezieht sich allgemein auch auf ein mit der Gebirgsbildung in Zusammenhang stehendes Becken, das den Verwitterungsschutt des aufsteigenden Gebirges aufnimmt.

Molassebecken, bayerisches

Zwischen der Donau und den Alpen gelegen, bietet das bayerische Molassebecken günstige geologische Voraussetzungen zur Realisierung von Geothermieprojekten. Hohe Fließraten und geringe Mineralgehalte sind Merkmale der Untergrundgewässer.

N

Nahwärmenetz

Ein meist unterirdisch verlegtes Rohrnetz zur Übertragung von Wärme zwischen Gebäuden zu Heizzwecken über verhältnismäßig kurze Strecken. Die dafür notwendige Wärme kann zum Beispiel durch eine Geothermieanlage geliefert werden.

R

Reinjektion

Verpressung des nach seiner thermischen Nutzung abgekühlten Thermalwassers in den tiefen Untergrund.

Reservoir

Reservoir = Speicher. Gesteinsabfolge mit nutzbaren flüssigen oder gasförmigen Inhaltsstoffen, z. B. Erdgas, Erdöl, Wasser oder Sole.

S

Seismik

Geophysikalische Erkundungsmethode des Untergrundes unter Verwendung von Schallwellen, die künstlich durch kleine Sprengungen oder Vibrationsfahrzeuge erzeugt werden. Moderne 3-D-Seismik ermöglicht plastische Modelle des Untergrundes und ist deshalb ein wichtiges Prognoseinstrument für die Entscheidung, ob und wenn ja wo Geothermiebohrungen stattfinden sollten.

T

Tauchpumpe

Wird in der tiefen Geothermie genutzt, um Thermalwasser aus der Förderbohrung zu fördern. Die Tauchpumpe muss unterhalb des Wasserspiegels eingebaut werden (meist in einigen hundert Metern Tiefe).
Tauchpumpen haben Leistungen bis zu einigen hundert Kilowatt und werden entweder durch einen integrierten Elektromotor oder durch eine Welle von über Tage angetrieben. Sie verursachen in einem Geothermieprojekt am meisten Eigenenergieverbrauch und begründen wesentlich den Unterschied zwischen der Brutto- und der Nettoleistung einer Anlage.

U

Unterwasserpumpe

> Tauchpumpe

Z

Zirkulationstest

Bei einem Zirkulationstest wird überprüft, ob die angestrebten Fließraten tatsächlich erreicht werden oder die Einleitung von Stimulationsmaßnahmen erforderlich ist.

 

Eine Erklärung für viele weitere Fachbegriffe finden Sie unter www.geothermie.de/wissenswelt/glossar-lexikon.html