Antworten auf häufige Fragen zur Erdwärmenutzung

Wie viel Strom und Wärme kann ein Erdwärmekraftwerk überhaupt produzieren?

Die Strom- und Wärmemenge, die ein Erdwärmekraftwerk abgeben kann, hängt von der Temperatur und der Menge des Thermalwassers ab, das bei der Bohrung gefunden wird. Je mehr Wasser und je heißer es ist, desto mehr Energie kann ein Kraftwerk produzieren. Üblich sind heute Kraftwerke mit einer elektrischen Leistung von rund 5 Megawatt. Ist dieses Kraftwerk – abgesehen von Wartungsarbeiten - rund um die Uhr in Betrieb, kann es etwa 40 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren und damit rein rechnerisch über 13.000 Haushalte mit Strom versorgen. Gibt das Kraftwerk gleichzeitig auch Wärme in ein Nahwärmenetz ab, so verringert sich die mögliche Strommenge. Zur Orientierung: Das Geothermiekraftwerk in Unterhaching hat im Jahr 2010 eine Wärmemenge von ca. 85 Millionen Kilowattstunden und 11 Millionen Kilowattstunden Strom produziert. Damit können rein rechnerisch etwa 8.000 Haushalte in Mehrfamilienhäusern mit Wärme versorgt werden und über 3.500 Haushalte mit Strom.

Welche Rolle spielt die tiefe Geothermie in Deutschland?

In Deutschland produzieren derzeit rund 20 Anlagen Wärme aus Geothermie, drei davon erzeugen zur Zeit auch Strom. Das älteste Heizwerk arbeitet bereits seit 1984 in Waren (Mecklenburg-Vorpommern). Die meisten Anlagen stehen in Bayern, unter anderem in Pullach, Garching, Unterschleißheim oder Unterhaching. Darüber hinaus nutzen etwa 160 Thermalbäder in Deutschland die Erdwärme. Eine Übersicht über die Heiz- und Stromkraftwerke in Deutschland finden Sie hier. Viele interessante Informationen und Praxisbeispiele zur Nutzung der Geothermie speziell in Bayern finden Sie hier.

Was haben die Bürger von Königsdorf oder Geretsried von dem Kraftwerk?

Das Erdwärmekraftwerk produziert erneuerbare Energie aus einer heimischen Energiequelle und trägt damit dazu bei, dass die Region energieautonom werden kann – das heißt komplett unabhängig von Öl, Gas oder Uran aus dem Ausland. Das Ziel der Projektinitatoren ist es, sowohl Wärme als auch Strom zu produzieren. Damit sich die „Auskopplung“ von Wärme aber lohnt, müssen sich genug Wärmeabnehmer in der Nähe des Kraftwerks befinden oder ansiedeln. In jedem Fall erhält die Gemeinde, auf der die Anlage stehen wird, zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen und es entstehen neue Arbeitsplätze in der Region.

Kühlt der Untergrund dadurch, dass man ihm ständig Wärme entzieht, nicht irgendwann aus?

Geothermie-Anlagen werden in der Regel mit zwei Bohrlöchern betrieben - es gibt eine Förderbohrung, aus der das heiße Wasser nach oben gepumpt wird, sowie eine Injektionsbohrung, durch die das abgekühlte Wasser wieder in den Untergrund eingeleitet wird. Wird ein Geothermiekraftwerk über mehrere Jahrzehnte betrieben, kann es deshalb lokal im Untergrund zu einer leichten Abkühlung des dort zirkulierenden Wassers kommen. Die Leistung der Geothermie-Anlage, die in der Regel auf eine Laufzeit von 30 bis 50 Jahren angelegt ist, wird dadurch nicht beeinflusst. Die älteste Geothermieanlage Europas mit zwei Bohrungen ist seit 1969 in der Nähe von Paris in Betrieb. Dort konnte bis heute keine Absenkung der Temperatur an der Förderbohrung festgestellt werden. Nach Ende der Laufzeit einer Geothermie-Anlage erwärmt sich die Wasser führende Schicht nach und nach wieder. Auch wenn es bis zur vollständigen Wiedererwärmung mehrere hundert Jahre dauern kann, hat das keine nachteiligen Auswirkungen auf den Untergrund.

Muss man während der Bohrarbeiten Lärmbelästigungen befürchten?

Bei den Bohrarbeiten entstehen Geräusche. Um die Belästigung von Mensch und Tier so gering wie möglich zu gestalten, werden unter anderem Schallschutzwände und technische Neuerungen an Bohrgeräten eingesetzt. In der Regel sind daher ab einer Entfernung von ca. 200 Metern zum Bohrplatz keine oder kaum störenden Geräusche zu hören.

Wie groß ist ein Erdwärmekraftwerk üblicherweise?

Geothermie-Anlagen sind vergleichsweise kleine und unauffällige Industriegebäude, in der Regel nicht mehr als ca. zehn bis zwölf Meter hoch sind. Sie können deshalb auch problemlos direkt angrenzend an eine bewohnte Fläche gebaut werden. Beispielhafte Bilder von Geothermieanlagen finden Sie hier oder hier.

Was passiert, wenn die Geothermieanlage ausfällt?

Um auch bei einem Ausfall der Geothermieanlage Wärme für das Nahwärmenetz produzieren zu können, werden in der Regel Gas-Reservekraftwerke bereit gehalten, die im Notfall einspringen können. Einen anderen Weg werden zukünftig Unterhaching und Grünwald gehen: Durch einen Wärmeverbund sichern sie sich gegenseitig bei Ausfällen ab und können so auf den „Backup“ durch fossile Kraftwerke verzichten.

Kommt es zu zusätzlichem Verkehr?

Nein, da für den regulären Betrieb kein Brennstoff angeliefert werden muss, entsteht nicht mehr Verkehr als sowieso schon vorhanden war.

Kann es während des Betriebs zu Geräusch- oder Geruchsbelästigungen kommen?

Der Betrieb eines Erdwärmekraftwerks verläuft geräuscharm. Die einzig hörbaren Geräusche werden durch die Lüfter der Kühlungsventilatoren und gegebenenfalls durch die Motoren der Tiefpumpe verursacht. Wie alle technischen Anlagen unterliegen auch Geothermieanlagen der „Technischen Anleitung (TA) Lärm“. Diese legt die gesetzlich zulässigen Höchstwerte für Geräusche fest. Gemessen wird dabei immer am so genannten Immissionsort, also nicht an der Anlage selbst, sondern z. B. am nächstgelegenen Wohnhaus. In einem allgemeinen Wohngebiet gilt als nächtlicher Grenzwert 40 dB (A), das entspricht dem Brummen eines Kühlschranks oder den Geräuschen einer ruhigen Wohnstraße.

Kann es zu spürbaren Erderschütterungen während des Bohrens kommen?

Nein.

Kann es während des Betriebs zu spürbaren Erderschütterungen kommen?

Geothermiekraftwerke können unter bestimmten geologischen Umständen leichte Erderschütterungen auslösen, die spürbar sind. In Bayern war das bisher nie der Fall, da hier die Geologie sehr „gutmütig“ ist und auf Druckveränderungen im Untergrund nicht mit wahrnehmbaren Erschütterungen reagiert. Aber auch da, wo es durch Tiefe-Geothermieprojekte zu spürbaren Erschütterungen kam, sind noch nie strukturelle Schäden an Gebäuden ausgelöst, die Infrastruktur beschädigt oder gar Menschenleben gefährdet worden. Zudem sind diese ausgelösten Erschütterungen im Gegensatz zu natürlichen Erdbeben im Grundsatz vorhersagbar und beherrschbar. Wesentlicher Grund hierfür sind die ständige Überwachung des Untergrunds während aller Projektphasen, die gutachterliche Betreuung durch einen Seismologen sowie ein öffentlich zugänglicher Reaktionsplan, an dessen Erstellung auch die Aufsicht führenden Behörden beteiligt sind.

Ich habe gelesen, dass es im südbadischen Staufen und in Basel große Schwierigkeiten mit der Geothermie gegeben hat. Können diese dort aufgetretenen Probleme auch bei uns auftreten?

Ein klares Nein. Die Stadt Staufen hat mit speziellen geologischen Bedingungen zu kämpfen, dir dort auftreten und bei der dortigen oberflächennahen Bohrung offenbar nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Zudem wird bei Tiefenbohrungen ein ganz anderer Aufwand zur Absicherung der Bohrung betrieben.

Auch der Fall in Basel ist nicht auf das Projekt Königsdorf anwendbar, da dort mit Hilfe von Wasserdruck Risse im Untergrund aufgeweitet werden sollten, damit das Wasser dort zirkulieren kann. Diese Technologie wird im Projekt Königsdorf nicht angewandt. Eine Situation wie in Basel ist deshalb ausgeschlossen.

Weitere Antworten zu Fragen der Erdwärmenutzung finden Sie unter www.geothermie-dialog.de